Die Rolle von Übersetzern im kinderliterarischen Feld. Und Speeddating.

Auf eine Veranstaltung auf der Leipziger Buchmesse habe ich mich in diesem Jahr ganz besonders gefreut. In Kooperation mit dem VdÜ, dem Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V., veranstaltete der Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. ein Symposium zum Thema Gatekeeper – Wegbereiter – Weltenschöpfer. Die Rolle von Übersetzern im kinderliterarischen Feld. Unter der Leitung von Dr. Svenja Blume wurde das kinder- und jugendliterarische Übersetzen aus Übersetzer-, Autoren- und literaturwissenschaftlicher Sicht betrachtet. Das Programm und weitere Informationen kann man auf der Website des AKJ nachlesen.

 

Dr. Svenja Blume: Übersetzen für Kinder? Zur Spezifik kinderliterarischen Übersetzens

Den Anfang machte Dr. Svenja Blume, die sich dem Thema aus literaturwissenschaftlicher Sicht näherte. Zu jedem der drei Schlagworte, Gatekeeper – Wegbereiter – Weltenschöpfer, nannte Dr. Svenja Blume ein Werk und veranschaulichte an mehreren Textbeispielen, inwiefern die jeweilige Übersetzerin oder der Übersetzer die Rolle eines Gatekeepers, Wegbereiters oder Weltenschöpfers eingenommen hat und was das konkret bedeuten kann.

 

Dr. Hadassah Stichnothe: Was tun mit schwierigen Mädchen? Deutschsprachige Übersetzungen von Kinderbuchklassikern und ihre Rezeption am Beispiel von Hanni und Nanni und Pippi Langstrumpf

Auch die zweite Referentin beleuchtete das Thema aus dem literaturwissenschaftlichen Blickwinkel. Dr. Hadassah Stichnothe stellte anhand der Kinderbuchklassiker Pippi Langstrumpf und Hanni und Nanni dar, auf welche Weise Übersetzer oder Übersetzerinnen als Gatekeeper agieren und welche Wirkungen dadurch erzielt werden. Sie referierte auch über mögliche Gründe, weshalb die Übersetzerinnen in die Texte eingegriffen haben.

 

Tobias Scheffel (vorgetragen von Claudia Hamm): „Und außerdem ist das ja viel leichter“. Von den Besonderheiten des Übersetzens von Kinder- und Jugendliteratur aus Übersetzersicht

Als Stellvertretung für Tobias Scheffel, der leider verhindert war, sprach Claudia Hamm aus der Sicht eines Übersetzers ins Deutsche. Tobias Scheffel übersetzt aus dem Französischen und Claudia Hamm aus dem Französischen und Italienischen. In dem Vortrag ging es unter anderem darum, welche Besonderheiten sich beim Übersetzen für Kinder und Jugendliche ergeben und wie man damit umgehen kann. Neben fachlichen Fragen wurde auch über berufspolitische Besonderheiten gesprochen.

 

Dr. Kirsten Boie: „So heißen bei uns nur die Omas“. Erfahrungen mit Übersetzungen meiner Bücher

Dr. Kirsten Boie widmete sich dem Thema aus der Sicht einer Autorin. Sollten Übersetzer Kontakt zu ihren Autoren halten? Wie eng sollte die Zusammenarbeit sein? Worauf legt sie als Autorin bei den Übersetzungen ihrer Bücher Wert? Was macht eine gute Übersetzung aus?

 

Mahmoud Hassanein: Zwischen Kulturen vermitteln oder Grenzen verschieben? Reflexion zur Übersetzung deutschsprachiger Kinder- und Jugendliteratur ins Arabische

Schließlich referierte Mahmoud Hassanein über seine Erfahrungen als Übersetzer deutschsprachiger Kinder- und Jugendliteratur ins Arabische. Dabei wurde auch das Thema Kulturvermittlung inklusive eines kleinen Exkurses in die Kulturtheorie angeschnitten. Zu den von ihm übersetzten Autoren und Autorinnen gehört neben Dr. Kirsten Boie auch Paul Maar.

 

Podiumsdiskussion

Während der anschließenden Podiumsrunde merkte Dr. Kirsten Boie noch etwas Wichtiges an: Die übergeordneten Gatekeeper sitzen in den Verlagen. Noch bevor Übersetzer*innen ins Spiel kommen, entscheiden Lektor*innen und Verleger*innen, ob ein Buch auf dem deutschsprachigen Markt erscheinen wird oder nicht.

Dieser Satz leitet perfekt über zur nächsten Veranstaltung:

 

Speeddating: Ich hätte da was für Sie …

Fünf Übersetzerinnen durften im Übersetzerzentrum innerhalb von fünf Minuten ihr Projekt vorstellen und zwei Lektoren gaben direkt vor versammeltem Publikum Feedback und Tipps zum Pitch. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Literaturübersetzerin und zweiten Vorsitzenden des VdÜ Maria Hummitzsch. Was mir leider erst zu spät bewusst wurde: Eine der mutigen Kolleginnen fährt nächsten Monat ebenfalls zum Hieronymus-Seminar. Ich freue mich schon, dort noch mehr über ihr Projekt zu erfahren.

 

 

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