Musikalische Lesung mit Paul Maar: Neues vom fliegenden Kamel

Das Bamberger Literaturfestival BamLit ging dieses Jahr in die dritte Runde. Seit dem 21. Februar und noch bis zum 07. März finden in Bamberg und im Landkreis über 20 Lesungen und mehr als 40 Veranstaltungen für Kinder statt. Dieses Jahr sind unter anderem Uwe Timm, Bernhard Schlink, Tanja Kinkel und Zsuzsa Bánk dabei.

Am Samstag war ich bei der musikalischen Lesung von Paul Maar, bei der der Erfinder des Sams aus dem fliegenden Kamel las. Mit auf der Bühne standen auch der Percussion-Künstler Murat Coskun, der die Rolle des Nasreddin sprach und das Publikum mit seiner Trommel beeindruckte, und Ibrahim Sarialtin, der einige der Geschichten in der türkischen Fassung vorlas, die Saz spielte und auf türkisch sang. Die Capella Antiqua Bambergensis begleitete erstmals in drei Generationen die Lesung auf mittelalterlichen Instrumenten.

Interkultureller Dialog

Als Projekt, das einen positiven Beitrag zum interkulturellen Dialog zwischen Deutschland und der Türkei leistet, wurde es vom Auswärtigen Amt in die Ernst-Reuter-Initiative aufgenommen und erhielt zudem den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“.

Nasreddin Hodscha – „der türkische Till Eulenspiegel“

So stellte Paul Maar die Figur selbst vor und tatsächlich erinnert Nasreddins Art, seine Mitmenschen an der Nase herumzuführen, ein bisschen an den Schalk Till Eulenspiegel. Nasreddin Hodscha steht mal als Held, mal als Narr und manchmal auch als Philosoph im Mittelpunkt vieler seit dem 14. Jahrhundert überlieferten Geschichten im islamischen Kulturkreis. Der Sage nach lebte er in Anatolien und besaß nichts als einen Esel. Paul Maar erzählt einige der Schelmengeschichten nach und stellt sich vor, wie es wäre, wenn Nasreddin in der Gegenwart lebte.

Sehens- und vor allem hörenswert

Um ehrlich zu sein, trifft der Witz in den Geschichten leider nicht ganz meinen Humor. Ich hatte das Gefühl, die Pointen so oder so ähnlich schon an anderer Stelle gehört zu haben. Jedenfalls kamen sie mir bekannt vor, ich konnte meist schon voraussagen, worauf die Geschichte hinausläuft, und Schenkelklopfer sind einfach nicht mein Fall. Der Lautstärke des Gelächters im Saal nach zu urteilen, kamen die Scherze insgesamt aber ausgesprochen gut an. Die Stimmung war super, nicht zuletzt, weil auch die drei Sprecher Paul Maar, Murat Coskun und Ibrahim Sarialtin bester Laune zu sein schienen und sehr sympathisch durch den Abend führten. Richtig beeindruckend fand ich die musikalischen Zwischenspiele. Auf türkischer Laute, Rahmentrommeln, Sackpfeife, Maultrommel, Drehleiter, Glockenspiel und anderen Instrumenten gespielte mittelalterliche Melodien ließen die Zuschauer in die Zeit Nasreddin Hodschas eintauchen. Allein schon wegen dieser überwältigenden Musik lohnt es sich, „Neues vom fliegenden Kamel“ anzusehen.

Signierstunde

In dPaul_Maar_Das_Samser Pause und nach der Lesung signierte Paul Maar, und es gab einen Bücherverkauf der örtlichen Buchhandlung. Ich bin in der gleichen Stadt geboren und aufgewachsen wie Paul Maar, mein Mann machte sein Abitur am selben Gymnasium wie er und ich glaube, kaum ein Kind aus der Region kam an einer Sams-Aufführung im Theater Schloss Maßbach vorbei, wo Paul Maar übrigens selbst seine erste Theatererfahrung als Bühnenbildner, Grafiker und Fotograf sammelte. Seit meinem ersten Theaterbesuch vor über 20 Jahren mochte ich das rothaarige freche Ding mit den blauen Punkten und daher freut es mich natürlich sehr, dass Paul Maar uns ein Autogramm gegeben und eine kleine Sams-Illustration ins Buch gezeichnet hat. Vielen Dank für diesen wunderbaren Abend!

 

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