Der Pfau von Isabel Bogdan

„Typisch britischer Humor“ scheint das Schlagwort schlechthin zu sein, wenn es um Isabel Bogdans Der Pfau geht. Kaum eine Rezension, kaum ein Blogbeitrag, kaum ein Instagram-Post scheint ohne den obligatorischen Verweis auf den britischen Humor auszukommen. Ob nun britisch oder nicht: Der Pfau ist sehr unterhaltsam und kurzweilig und ich musste immer wieder laut auflachen. Die Komik ist einfach herrlich und ich möchte bitte noch viel mehr in diesem Stil lesen. Ganz wunderbar finde ich auch den Schreibstil von Isabel Bogdan, die ich bisher als Literaturübersetzerin, zum Beispiel von Jonathan Safran Foers Tiere essen, kannte.

»Einer der Pfauen war verrückt geworden«

Was für ein ausgezeichneter, vielversprechender erster Satz. Das Setting ist schnell erklärt: Vier seriöse Londoner Banker machen sich samt noch seriöserer Chefin, deren Irish Setter, einer Psychologin, die zum ersten Mal eine eigene Gruppe betreut, und einer resoluten Köchin auf den Weg zu einem abgelegenen Landsitz in den schottischen Highlands, der, euphemistisch gesagt, nicht gerade auf modernstem technischen Standard ist, um dort an einer Teambuildingmaßnahme teilzunehmen. Dort werden sie nicht nur eingeschneit, sondern auch und vor allem mit einem Pfau konfrontiert, der, nun ja, eben verrückt geworden ist. Eine sehr pragmatische Lösung für das Problem findet Lord McIntosh, der gemeinsam mit seiner Frau die Feriencottages vermietet. Was folgt, ist eine herrliche und urkomische Verkettung von Ereignissen. Jedes weitere Wort zum Inhalt wäre eines zu viel, man muss die Situationskomik und die skurrilen Einfälle der Figuren einfach selbst erleben.

Schreibstil

Die Kurzfassung: Ich liebe Isabel Bogdans Schreibstil. Die etwas ausführlichere Fassung: Der Erzähler wechselt je nach Szene die Perspektive und begleitet nach Bedarf eine oder mehrere bestimmte Figuren. Auf diese Weise bekommt der Leser einen Wissensvorsprung, was den Großteil der Komik erzeugt. Die basiert nämlich vor allem darauf, dass die Protagonisten nur eine begrenzte Sicht haben – und entsprechend handeln –, während der Leser oder die Leserin das ganze Bild kennt. Mir hat es beim Lesen großen Spaß gemacht, dass so gelungen mit der Erzählperspektive gespielt wird. An dieser Stelle möchte ich auch den Abschnitt nicht unerwähnt lassen, der aus Sicht des Hundes der Bankchefin erzählt ist. Einfach toll. Witzig fand ich auch wiederkehrende Motive, Vergleiche oder Sätze, die in abgewandelter Form in verschiedenen Situationen von verschiedenen Figuren gedacht werden, z. B. tauchen in drei verschiedenen Kontexten und jeweils von drei verschiedenen Figuren gedacht folgende Sätze auf: »So ein Pfau war schließlich kein Mensch.«, »So ein Pfau war schließlich kein Hund.« und »So ein Hund war schließlich kein Schwein.« Ich mag es, wenn sich so eine Art subtiler Running Gag durch ein Buch zieht. Was mir aber als Erstes auffiel, war, dass es im Pfau keine wörtliche, sondern ausschließlich indirekte Rede gibt. Auch dieses Stilmittel und der Ton, der daraus entsteht, trägt zu der Komik des Pfaus bei. Auf jeden Fall sehr lesenswert, sehr unterhaltsam, sehr skurril. Ich hoffe, wir bekommen noch viel von Isabel Bogdan zu lesen.

Über die Autorin

Isabel Bogdan kannte ich bisher als Literaturübersetzerin und Bloggerin. Auf isablog gibt es unter dem Titel Lotterleben beispielsweise einen sehr ehrlichen Beitrag über das Freiberuflerleben, in dem man sich gern wiedererkennen darf, wenn man möchte. Bei Rowohlt ist 2012 ihr erstes Buch Sachen machen erschienen und 2016 Der Pfau bei Kiepenheuer und Witsch. Sie studierte Anglistik und Japanologie in Heidelberg und Tokio und lebt in Hamburg.

Bibliographische Angaben

Isabel Bogdan: Der Pfau. Erschienen 2016 im Verlag Kiepenheuer & Witsch. ISBN: 978-3-462-04800-1. 248 Seiten. Preis 18,99 Euro [D], 19,60 Euro [A].

Mehr dazu

Weitere Informationen gibt es auf der Website des Verlags und auf Isabel Bogdans Blog.

 

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