Der weiße Tiger von Aravind Adiga

Auf Instagram schrieb ich, dass ich Aravind Adigas Der weiße Tiger rezensieren werde, sobald ich meine Gedanken dazu ordnen konnte. Das ist nun zwei Wochen her. Wirklich sortiert sind die Gedanken noch nicht. Ich finde es schwierig, aus meiner Sicht etwas zu diesem Buch zu schreiben. Zu groß ist das Risiko, mir ein westlich geprägtes Urteil zu erlauben über die Taten der Figuren, über die Figurenkonstellation, über das beschriebene System. Zudem dachte ich beim Lesen ständig über die dargestellte „Käfigsituation“ nach. Ein Leser aus Indien schickte mir dazu eine Nachricht:

„Die meisten Dinge, die in dem Buch erzählt werden, sind wahr. Ich komme aus dem südlichen Teil Indiens. So etwas erleben wir hier zwar nicht, aber sobald man weiter in den Norden fährt …. Was in diesem Buch dargestellt wird, passiert dort täglich.“

 

Inhalt
Geschrieben ist das Buch aus der Sicht von Balram, der unter armen Verhältnissen in einer unteren Kaste aufwächst und die Schule abbrechen muss, um zum Unterhalt der Familie beizusteuern. Es gelingt ihm, eine Anstellung als Fahrer bei einer reichen Familie zu bekommen, und er versucht, aus dem indischen Hühnerkäfig auszubrechen – inwiefern ihm das gelingt oder nicht, möchte ich hier unkommentiert lassen, um nicht zu viel zu verraten. Wer den weißen Tiger allerdings gelesen und sich dazu Gedanken gemacht hat, kann mir schreiben. Ich würde mich gern austauschen.

Erzählt wird Der weiße Tiger in Form eines Briefromans. Der Ministerpräsident Chinas soll das Interesse geäußert haben, sich mit indischen Unternehmern zu treffen und sich deren Erfolgsgeschichten anzuhören. Balram nutzt dies als Anlass, um ihm in sieben E-Mails mit schamloser Ehrlichkeit von seinem eigenen Aufstieg zu berichten. In den Mails stecken Naivität, Komik, derbe Sprache und Vergleiche, schwarzer Humor und eine ganze Menge Stolz auf den Weg eines Selfmademans.

Über den Autor
Der indische Journalist und Autor Aravind Adiga gewann mit seinem Debütroman The White Tiger 2008 den Man Booker Prize, den wichtigsten Literaturpreis Großbritanniens. Geboren wurde er 1974 in Madre. Er wuchs in Mangalore auf und studierte an der Columbia University in New York und am Magdalen College in Oxford. Mittlerweile lebt er in Mumbai.

Über den Übersetzer
Aus dem Englischen übersetzt wurde Der weiße Tiger von Ingo Herzke. Vor Kurzem habe ich auch seine äußerst gelungene Übersetzung „Nur drei Worte“ parallel zum englischen Original gelesen. Mit einer wunderbaren Leichtigkeit trifft er den jugendlichen Ton des Protagonisten. Das Buch, das im Original „Simon vs. the Homo Sapiens Agenda“ heißt und von Becky Albertalli geschrieben wurde, hat den Preis der Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises gewonnen. Herzlichen Glückwunsch vor allem auch an den Übersetzer!

Bibliographische Angaben
Aravind Adiga: Der weiße Tiger. Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Die Taschenbuchausgabe ist 2010 bei dtv erschienen. ISBN: 978-3-423-13939-7. 319 Seiten. Preis 9,90 Euro [D], 10,20 Euro [A].

Mehr zu dem Buch gibt es auf der Website des dtv und des C. H. Beck Verlags sowie auf Perlentaucher.

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