Into the Water von Paula Hawkins

Ich konnte mich nicht so recht entschließen, über den Thriller Into the Water zu bloggen. Letzte Woche las ich dann im Newsletter des Börsenblatts vom Staunch Book Prize. Die Drehbuchautorin Bridget Lawless hat es satt, dass Frauen in Thrillern so gern als hilflose Opfer von Gewaltverbrechen eingesetzt werden – und wenn man mal darüber nachdenkt, ist das tatsächlich ein erschreckend beliebtes Motiv in diesem Genre. Daher gründete die Drehbuchautorin den Staunch Book Prize für Thriller, die ohne dieses Klischee auskommen. Verliehen wird er am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Weiteres kann man im Börsenblatt nachlesen. Jedenfalls nehme ich das nun zum Anlass, doch über Into the Water zu schreiben.

 

Für unbequeme Frauen

Als Widmung steht vorn (in der Übersetzung von Christoph Göhler – die englische Ausgabe habe ich nicht):

„Für alle unbequemen Frauen“

Schon diesem ersten Satz, der noch nicht einmal wirklich der erste Satz des Romans ist, stehe ich etwas zwiespältig gegenüber. Ich meine zu verstehen, was er ausdrücken soll. Aber ein wenig bitter schmeckt mir das Adjektiv „unbequem“ dennoch. Und es bleibt nicht die einzige Erwähnung der „unbequemen“ Frauen. Die von den Einheimischen als Drowning Pool bezeichnete Flussbiegung ist ein Ort, wo man sich seit über 300 Jahren „unbequemer“ Frauen entledigt. So sagt man. Oder begehen die Damen Suizid? Der Thriller dreht sich um drei dieser ungeklärten Todesfälle und um die Frage, wie und ob sie zusammenhängen. Eine der toten Frauen ist eine junge Schülerin, eine ist bereits seit Jahrzehnten tot und die dritte ist eine Autorin, die an einem neuen Manuskript saß, in dem sie dem Geheimnis der Drowning-Frauen auf der Spur war.

 

Über die Tragik des Schweigens

Zentral ist in diesem Buch die Beziehung von Jules, die ich, gemessen am Anteil der Kapitel, die aus ihrer Sicht geschrieben sind und der inhaltlichen Tiefe der Figur, als Protagonistin bezeichnen möchte, zu ihrer Schwester Nel, der verstorbenen Autorin. Jules ignoriert Nels Anrufe konsequent und wendet sich ihrer Schwester erst nach deren Tod zu. Erzählerisch wird das durch die zweite Person Singular dargestellt. Wie sich diese starke Distanz zwischen den Schwestern aufbauen konnte, gehörte für mich mit zu den interessantesten Themen des Buches. Traurig, bedrückend, tragisch ist nicht nur in dieser Hinsicht, dass durch Offenheit und Wahrheit viel hätte verhindert werden können. Jules ist eine Person, die mit ihrer Wut, Verzweiflung und Trauer selbst fertig werden will. Sie will stark sein und nach vorn blicken, aber lässt es dadurch eben nicht zu, dass Missverständnisse aufgeklärt werden. Aber vielleicht kann sie das in ihrer Situation auch nicht zulassen. Und das ist okay.

 

Elf Stimmen wohnen, ach! in diesem Buch

Und jede davon birgt ihre eigene Wahrheit. Wenn ich Thriller lese, lese ich sie in der Regel schnell. Hier hatte ich Schwierigkeiten, mich in die Geschichte einzufinden. Den Grund habe ich in der Erzählweise gesucht, die ich jetzt im Nachhinein eigentlich ganz reizvoll finde. Insgesamt elf Erzähler wechseln sich ab und tragen ihren Teil zur Geschichte bei. Dabei schöpft Paula Hawkins aus den Vollen: Ich-Erzähler, personale Erzähler, Rückblenden in verschiedene Zeiten, Ausschnitte aus Nels Manuskript – Dabei kommen Männer, Frauen, Erwachsene, Kinder und Jugendliche zu Wort. Jeder hat etwas zu sagen und jeder hat etwas zu verbergen. Eigentlich sehr reizvoll, dennoch fiel es mir schwer, einen Zugang zur Story zu finden. Etwa ab der Hälfte fand ich ihn dann und konnte der Erzählweise schließlich doch etwas abgewinnen.

 

Über die Autorin

Von der britischen Schriftstellerin und Journalistin Paula Hawkins las ich vor zwei Jahren den Thriller Girl on the Train. Geboren wurde die Autorin 1972 in Simbabwe. Die deutsche Übersetzung beider Romane haben wir Christoph Göhler zu verdanken.

 

Bibliographische Angaben

Paula Hawkins: Into the Water. Aus dem Englischen von Christoph Göhler. Erschienen am 24.05.2017 bei blanvalet. ISBN: 978-3-7645-0523-3. 476 Seiten. Preis 14,99 Euro [D], 15,50 Euro [A].

Weitere Informationen gibt es auf der Website des Verlags.

Into the WaterTraue keinem Auch nicht dir selbst von Paula Hawkins

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